Guet Fuuscht! Die Geschichte der Deitinger Faustballer

„Leeet’s go!!“ Die Spannung steigt, die Spieler stellen sich auf. Jeder auf seiner Position. Der Ball saust durch die Luft. Eine saubere Abnahme, ein schönes Zuspiel und ein kräftiger Schlag. Und schon ist man mitten im Spielgeschehen. Beim Faustball geht es oft schnell zu und her. Konzentration braucht es vom ersten bis zum letzten Ball. Genau das zeichnet Faustball aus. Der Kopf entscheidet das Spiel. Das Spiel, das schon so manchen begeisterte, fand 1958 Einzug in unser Dorf.

Geschichte des Faustballs

Bereits 57 Jahre ist es her: Am Dienstagabend, 15. April 1958, setzten sich zwölf Männer ins Restaurant Rössli und gründeten die Männerriege des KTV Deitingens. Bevor sie die ersten Bälle spielten, wählten sie den Vorstand und legten Statuten und einen Mitgliederbeitrag von zwölf Franken fest.

Ein erstes grosses Highlight folgte am 4. Juni 1961. Die Faustballer organisierten die „Kantonalen Faustballmeisterschaften der Männerriegen des Solothurnischen Katholischen Turn-Sportverbandes“. Insgesamt nahmen 16 Mannschaften aus sieben Männerriegen teil, drei davon stellten allein die Deitinger. Um den Mannschaftsgeist zu fördern, wurde jedem Spieler am Schluss ein Weingläschen mit Dorfwappen abgegeben. Die Sieger erhielten gar Kirschkrüge aus Keramik. Na dann, Prost!

Die Freude an Spiel und Wettkampf setzte sich in den darauffolgenden Jahren fort. So gab es kaum Meisterschaften oder Verbandssporttage, an denen die Männerriege nicht teilnahm. Josef Galli als neuer Präsident, verleiht dem Faustball ab 1974 neuen Schwung. Er motiviert viele junge Spieler, wie Beni Galli, Peter Frei, Marcel, Daniel und Silvan Kofmel, zum Mitmachen. Faustball begeistert die engagierten Frischlinge, wird zur Hauptsportart der Männerriege und legt das Klischee des Altmännersports ab. 1981 folgt mit dem Aufstieg in die 2. Liga ein erster grosser Erfolg sowie ein erster Sponsorenvertrag, den man mit der Risa AG abschliesst. Es kam noch besser: Nach nur einer Saison steigt die erste Mannschaft 1982 mit dem Trainer Chubb Alfred in die 1. Liga auf.

1. Ligaaufsteiger 1982. V.l. stehend: Alfred Chubb, Daniel Kofmel, Silvan Kofmel. V.l. kauernd: Kurt Balmer, Peter Frei, Marcel Kofmel.

Unter Pascal Barrière gelang es anfangs der 90er Jahre, eine professionelle Nachwuchsförderung auf die Beine zu stellen. Leider gab es damals keine Juniorenmeisterschaft im Kanton Solothurn. Dies war aber kein Hindernis für die Trainer. Kurzerhand entschieden sie sich, an der kantonalen Meisterschaft im Aargau teilzunehmen. Die Deitinger Junioren waren die absoluten Überflieger und erzielten unzählige Siege. Die Aargauer waren sauer und gaben daraufhin den Auswärtigen keine Preise mehr ab. So musste der Verein selbst für die Medaillen und Pokale aufkommen.

Nach einer langen Durststrecke gelang der ersten Mannschaft 1997, dank viel Ehrgeiz und gutem Zusammenhalt, der erneute Aufstieg in die 1. Liga. Die alten Hasen von damals – Marcel Kofmel, Dani Müller und Pascal Barrière – sind noch heute aktive Vereinsmitglieder.

1. Ligaaufsteiger 1997. V.l. stehend: Kurt Balmer, Pius Flury, Daniel Müller, Marcel Kofmel. V.l. kauernd: Thomas Rüegsegger, Pascal Barrière, Michael Ryser, Sascha Hilpert

Die ältere Generation wurde durch junge, aufstrebende Spieler abgelöst. Die erste Mannschaft startete mit jungen, talentierten, aber noch nicht so erfahrenen Leuten in die neue Saison. Der Entscheid, den Jungen den Platz zu überlassen, gefiel längst nicht jedem. Eine weitere Veränderung, die den gesamten Verein betraf, war der Zusammenschluss 1998 der Vereine STV, KTV und DTV Deitingen zum TSV Deitingen. Die Sportgruppe des TSVD’s kennt man seither unter dem Namen TSV Faustball Deitingen.

2003 zahlte sich das Nachwuchstraining und das Engagement der Junioren aus, und die U18-Mannschaft gewann die Schweizermeisterschaft. Die junge Mannschaft konnte zudem von Dieter Lüthi profitieren, der in Binningen in der Nationalliga A Erfahrungen sammeln konnte. Nach seiner Rückkehr nach Deitingen schafften die Faustballer den Sprung in die Nationalliga B und darauffolgend sogar in die Nationalliga A. Zu dieser Zeit erhielt die Mannschaft wichtige finanzielle Mithilfe von der Firma Banholzer.

U18-Schweizermeister 2003. V.l.: Christoph Kofmel, Yves Bätscher, Marc von Burg, Pascal Barrière (Trainer), Reto Galli, Neal Müller, Christian Aebi, Dario Galli, Dominik Kohler

Anlässe

Doch nicht nur sportlich haben die Faustballer etwas auf dem Kasten. In früheren Jahren hat der Verein etliche kulturelle Anlässe organisiert. Stars wie Francine Jordi oder Florian Ast waren in den 90er Jahren in Deitingen zu Gast – mit noch deutlich tieferen Gagen als heute. Sie überzeugten das Publikum gesanglich, wie optisch. Noch heute schwärmen einige Deitinger von der schönen Francine.

Höhen und Tiefen

Die Mitglieder erlebten jedoch nicht nur Erfolgszeiten, sondern waren auch immer wieder mit Schwierigkeiten konfrontiert. Kurze Zeit zählte der Verein beispielsweise nur noch drei Faustballer, konnte sich aber dank einem harten Kern von engagierten Leuten wieder aufrappeln. Oder nach dem Höhenflug in der Nationalliga A war die Luft draussen, und der grösste Teil der Spieler gab den Rücktritt. Es kam zu einem Neustart in der 2. Liga. Doch auch davon hat sich der Verein erholt. Heute pflegt er einen guten Teamgeist und besteht aus zwei Herren-, einer Senioren- und einer Juniorenmannschaft. Seit 2015 Jahr darf sogar wieder Nationalliga-B-Luft geschnuppert werden. Die Faustballer halten auf und neben dem Platz zusammen. Man feuert sich gegenseitig an und geniesst nach dem Spiel das gesellige Zusammensein bei einer Flasche Bier.

Auf und ab geht’s mit dem Ball und so auch mit dem Verein. Ein Kämpfen um jeden Ball, und dennoch stehen das Team und der Spass im Vordergrund. Der Schiri pfeift, das Spiel ist aus, aber noch lange nicht für die Deitinger.

1. Ligameister 2015: V.l. stehend: Adrian Kaufmann, Daniel Müller, Christoph Kofmel, Silvan Galli. V.l. kauernd: Marc Burkhard, Stephan Galli, Marco Giger

Marco Giger, September 2015